Bettina Lohaus
Bettina Lohaus

Vernissage mit Lesung und Musik, 14.06.2012 im café seitenweise

Musikalisch, literarische Vernissage im Café Seitenweise (Bericht von Alexandra Schulz)

 

Zu einer malerischen Lesung mit Gesang wurde am Donnerstag, den 14.06.12 in das Literaturcafé Seitenweise in Dormagen eingeladen. Pünktlich um 20 Uhr waren alle Tische besetzt und zwei erwartungsfrohe Künstlerinnen warteten auf ihren Einsatz. Hierbei handelte es sich um die Malerin und Autorin Bettina Lohaus, die von der Musikpädagogin Dorothee Emondts am Klavier unterstützt wurde. Als Vernissage angekündigt, versprach der Abend ein Potpourri aus Sprache und Farben zu werden. Das Publikum des Cafés hatte keine Wartezeit zu überbrücken, da sechs Bilder der Künstlerin Bettina Lohaus (Öl auf Leinwand) gleich zu Beginn die Augen der Besucher fesselten. In ihrer Unterschiedlichkeit war das Bindeglied bei allen Bildern der Tisch. Der Tisch als Ort der Begegnung, der Geheimnisse, der Lust und der Wahrheit. So vielschichtig das Leben spielt, so vielschichtig gestaltet Bettina Lohaus auch ihre Bilder.                                                       

Zuweilen in Spachteltechnik vereinen sich in mehreren Lagen Ölfarben auch schon mal mit Asche, so dass der Betrachter eine Tiefe erlebt, die ihn zu den Geschehnissen am Tisch hineinziehen möchte. Es entsteht der Eindruck, dass jedes Bild seine Geschichte erzählen will und man möchte Beobachter sein und gleichzeitig sein Ohr an die Münder der Gemalten legen, um ihre ungesprochenen Worte zu erfahren, die der Zuschauer je nach Bild als frivol oder erschreckend erahnt.    

Nach einer kurzen Vorstellung des Caféinhabers und Buchhändlers Stephan Thönneßen, kam das Publikum in Genuss des ersten musikalischen Beitrages der lyrischen Songwriterin und Sängerin Dorothee Emondts. Dorothee Emondts, bekannt durch zahlreiche Liveauftritte u.a. als Duo Infernale mit ihrem lyrischen Partner Udo Höppner überzeugte, diesmal solo, gleich zu Beginn am Klavier mit ihrer sinnlichen und zugleich vollen Stimme in dem Lied „Schwestern“. Auch sie nahm den roten Faden des Abends auf und begegnete dem Publikum in ihrer sympathischen Art durch Gesang, Klavier und lyrischem Vortrag.    

In der darauffolgenden Kurzgeschichte „zufällige Begegnung“ von Bettina Lohaus verstand die Autorin es gefühlvoll, mit ihrer aus dem Leben gezeichneten Geschichte, die Zuhörer zu fesseln und den Anwesenden vor Augen zu führen, dass eine scheinbar zufällige Begegnung die Macht hat, ein Leben zu verändern. Mit ihrem akzentuierten Vortrag untermalte Bettina Lohaus ihre Geschichte und zog die Zuhörenden, wie bei ihren Bildern, in die Geschehnisse mit ein und ließ sie bis zum Ende mitfiebern.

Ein weiterer musikalischer Block zog die Aufmerksamkeit des Publikums erneut vom gesprochenem Wort zum Gesang und zeigte die musikalische Bandbreite der Sängerin Dorothee Emondts, die mit selbstgeschriebenen Songs ebenso begeisterte wie mit einer Übersetzung der Gedichte „Vorstadthäuser“ und „Was wird?“ des Dichters Zbigniew Herbert abwechselnd gesprochen und in einer gesungenen Interpretation in ihrer Muttersprache Polnisch. Ein charmanter und überaus gelungener Mix, der die Zuhörer restlos begeisterte. Zu guter Letzt bewies Bettina Lohaus abermals ihre schriftstellerische Vielseitigkeit mit der Geschichte des gefräßigen Angustiuns, der als kleiner, übler Geselle, den Menschen ihren Schlaf raubt. Pointiert und witzig zog die Autorin das Publikum erneut in ihren Bann und entließ sie schließlich mit einem Augenzwinkern in einen geselligen Abend und einen erholsamen Schlaf.

Abschließend sei gesagt, dass es an diesem Abend im Café Seitenweise nicht bei einer zufälligen Begegnung blieb, sondern intensiv geredet, gelacht, zugehört und gefühlt wurde. Eine wundervolle Mischung aus Musik, Wort und Farbe gab jedem Einzelnen die Möglichkeit den Alltag für ein paar Stunden hinter sich zu lassen und in die Welt der Künste abzutauchen.

Was wird mit den Gedichten

wenn der Atem fortgeht

und die Gnade der Stimme

verworfen wird

Bei so viel Talent, wie diesem Abend, werden wir die Ängste des Lyrikers Zbigniew Herbert wohl niemals teilen müssen.

 

Alexandra Schulz

Bettina Lohaus

Malerei

Installationen

Texte

 

Meine Urgroßmutter war Hebamme, ich bin Künstlerin. Das kommt aufs Gleiche raus.

letzte Aktualisierung:

11.09.2017

 

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