Bettina Lohaus
Bettina Lohaus

Lesung im Kräuterbeet

 

Ein Bericht von Alexandra Schulz mit Fotos von Sascha Emondts

 

 

Was braucht eine wirklich gute Lesung?

Als bekennende Schokoeiliebhaberin wäre meine spontane Antwort: Spiel, Spaß und Überraschung. Gar nicht mal so abwegig, wie ich meine. Das Spiel mit den Worten sollte in jedem Fall zu erwarten sein. Spaß sollte man ebenfalls haben, bestenfalls an den vorgedachten Stellen. Und die Überraschung? Tja, die Überraschung könnte alles und jeder sein. Ein guter Autor, ein schlechter Autor. Ein überaus guter Autor, ein überaus schlechter Autor. Letzteres gilt es unter allen Umständen zu vermeiden. Seit gestern denke ich: Eine richtig gute Lesung braucht eine gute Gastgeberin. Und die gab es am Abend des 25. August!                                                                                                      

Also, was sollte verdammt nochmal schief gehen?

Jeder, der eine größere Lesung schon einmal vorbereitet hat, weiß welch akribisch genaue Vorbereitung hinter der ganzen Sache steckt.

 

Als erstes muss ein stimmungsvoller Ort gefunden werden. Er sollte in jedem Fall nett anzusehen und gut riechend sein. Gleiches gilt für die Künstler. Schließlich müssen sie kontaktiert, beknetet, und in letzter Maßnahme bestochen werden. Sprechen wir es ganz offen an:

Horrende Gagen müssen aufgetrieben, Sponsoren gefunden, Haare gelegt, Leichenteile verteilt, schwarze T-Shirts gebügelt, appe Hände versteckt, Äxte in Rücken geschlagen, Stofftiere geschlitzt werden… das Licht muss sich dimmen, die Moderation (sich) stimmen – puh – was für eine Arbeit!                           Und sie wurde geleistet von unserer bezaubernden Gastgeberin: Bettina Lohaus. Denn die Dame des Hauses lud gestern Abend ein: Zur Lesung im Kräuterbeet.

Skurril und gruselig sollte es werden. Und das wurde es auch! Dazu trugen die vier Autoren Bettina Lohaus, Regina Schleheck, Harry, Michael Liedtke und Myk Jung bei. Jeder gab zwei Kurzgeschichten zum Besten. Das Publikum saß gespannt und gebannt im Halbdunkeln und kam nicht zu kurz. Schonungslos wurden die Abgründe des menschlichen Daseins aufgeführt. Krokodile wurden gejagt, gefolgt von nackten Schnecken und einem Fliegenpilzverköstiger.

Das Publikum war völlig im Bann der Lesenden. Die Gänsehaut noch auf dem Rücken von Regina Schlehecks Geschichte brachte Myks krabbelnde, appe und nicht zu vergessen blutige Hände zeitweise dem Publikum den Atemstillstand. Zwar fehlte die Schokolade, dafür knabberte man zum Thema passend an toten Nuggets und Hähnchenknochen.

Kurzes Aufatmen wurde den Autoren und dem Publikum bei Dorothee Edmondts wunderschönem Liedervortrag vergönnt. Ein Ohr und Augenschmaus der Sinne.


Fast hätte sich bei den Zuhörenden schon so etwas wie eine wohlige Gemütlichkeit eingestellt, wären die Autoren nicht ihrem Thema treu geblieben und hätten bei der zweiten Leserunde noch eine Schippe Extragrusel draufgelegt. 

Ein Mord, der sich als fataler Irrtum herausstellte, ein Irrtum, der Mordgedanken weckt, kein Mord, aber eine wunderschöne Liebesgeschichte gespickt mit Wissenswertem über den 1.FC Köln ließen das Publikum voller Spannung nicht an den Fingernägeln, so doch an den bereitgestellten Nachos knabbern.

Die Königsklasse wurde von Myk Jung vorgetragen, bei dem Inspektor Myk Colombo an einem Tic-Tac getarnten Hirnfortsatz einer Toten herumrätselte. Für die Autoren gab es kräftigen Applaus und eine Dose mit Inhalt. Viel zu früh kam das Ende, dennoch war es kurz und schmerzlos, denn geplant wurde schon die nächste Veranstaltung im kommenden Jahr, bei der hoffentlich weiter gemorschelt und gemordet wird. Man hatte sich amüsiert, gegessen, gelacht und ob dieser wunderschönen Veranstaltung auf die Schulter geklopft. Neben liegengelassenen Gliedmaßen durfte man sich gruseln und dabei den würzigen Kräuterduft eines lauen Sommerabends genießen, an dem nichts, aber auch wirklich gar nichts schief gegangen ist!

 

 

Fortsetzung folgt … im Sommer 2013

Eure Alexandra Schulz



obige Bilder und weitere in größerer Ansicht



Bettina Lohaus

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Meine Urgroßmutter war Hebamme, ich bin Künstlerin. Das kommt aufs Gleiche raus.

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