Bettina Lohaus
Bettina Lohaus

Der Kirmesmörder Jürgen Bartsch

Jürgen Bartsch - Der Kirmesmörder

Regina Schleheck

Gmeiner Verlag Meßkirch 2016

ISBN 978-3-8392-1939-3

 

Der Fall Bartsch erschütterte die Nachkriegs-BRD wie kein anderes Kapitalverbrechen.

 

Ein halbes Kind kühlt kalte Wut an warmen Eingeweiden Jüngerer, befriedigt in bestialischen Operationen bei lebendigem Leib seine Libido. Ein Metzgerlehrling, der kein Herz kennt, versucht eins zu packen, das pocht. Das unmögliche Unterfangen steht für die soziopathische Suche nach Zuwendung, Bartschs Prozess für die Wende in der Rechtsprechung, sein Tod für die Abkehr von den Therapie-Ansätzen der Nazis.

Zum fünfzigsten Jahrestag der Festnahme von Jürgen Bartsch ist das Buch erschienen. 

Leserrezensionen

Krimiautorin Ingrid Schmitz am 9. August 2016

 

Habe gerade das Buch zugeschlagen. Bin tief beeindruckt, wie die Autorin Regina Schleheck mit diesem schwierigen Thema umgegangen ist. Schonungslos hat sie die Perversitäten und Gewalttaten an den Kindern beschrieben, was kaum auszuhalten ist, aber sein muss, um die "Bestie" nicht zu verherrlichen. Es darf nichts unter den Teppich gekehrt werden. Wie gefährlich Letzteres sein kann, erfahren die Leser in den Passagen der einzelnen Erzähler, die mittelbar oder unmittelbar Jürgen Bartsch durchs Leben begleiteten. Immer tiefer gerät man in den Strudel seiner Vergangenheit, der Verwicklungen und Verleumdungen. Fast hat man Mitleid mit Jürgen Bartsch, ist doch der höllisch Quälende auch ein höllisch Gequälter. Er selbst soll beantragt haben, durch einen operativen Eingriff im Gehirn, von seiner Triebhaftigkeit und der Lust am Morden befreit zu werden. Das wurde ihm verwehrt. So entschied er sich zu einer Kastration, die ... aber ich will nicht vorweg greifen, auch wenn es allgemein bekannt sein dürfte.
Obwohl ich damals alle Berichterstattungen als Zeitzeugin verfolgt habe, erfuhr ich viel Neues und Wissenswertes rund um den "Fall Jürgen Bartsch". Die verschrobenen Denkweisen der "Alten" mit ihren Vorurteilen, besonders was die Homosexualität angeht - ließen mich mehrmals nicken. Ja, so hatte ich es als Kind und Jugendliche auch oft gehört, wenn ein Mann sich "so seltsam" benahm. Aber auch die Alten waren Opfer ihrer Eltern, in denen es noch die Prügelstrafe gab. Ist noch gar nicht so lange her.
Alles in allem ein nachdenklich machender "Biografischer Kriminalroman".

Hartmut Bock am 1. August 2016

 

Vor ca. 2 Stunden habe ich das wunderschöne Buch zu Ende gelesen. Um es vorwegzunehmen: dieses Buch kann ich jedem wärmstens empfehlen, dem der Fall Jürgen Bartsch noch in Erinnerung ist. Dann ein großes Lob für dich, Regina, für deine mit Sicherheit recht zeitaufwändigen und genauen Recherchen zu diesem biographischen Kriminalroman. Begeistert hat mich dein Schreibstil, die gute Lesbarkeit und natürlich der eigentümliche Aufbau dieser tragischen Geschichte. Die besonderen Charaktereigenschaften aller beteiligten Personen in diesem Tatsachenroman sind tiefsinnig, feinfühlig und psychologisch besonders gut dargestellt. Jede der Bezugspersonen zu J. Bartsch wird in einer Kurzbiographie in ihren besonderen Eigenschaften genau beschrieben. Auch das jeweilige Verhältnis zu J. Bartsch wird in sehr verständlicher Weise dem Leser genau geschildert. Die bestialischen Morde, die seinerzeit von allen Medien begierig aufgesaugt und reißerisch-sensationell vermarktet wurden, werden in dem Buch zwar in Einzelheiten, aber fast sachlich vorgetragen. Trotzdem bekam ich eine Gänsehaut und meine Gefühle erstarrten fast zu einem Eisblock. So detailliert hatte ich die einzelnen Morde nicht mehr in Erinnerung.

Weiterhin fand ich interessant, wie die Biographie des Täters in Verbindung mit den Besonderheiten der Nachkriegszeit gebracht wurde. Man fühlt sich förmlich in die 50er und 60er Jahre zurückversetzt. Die Nachkriegszeit, eine Zeit des Um- und Aufbruchs, wird vor dem geistigen Auge wieder lebendig. Die Nachwehen Nazideutschlands werden spürbar. Sehr viele Ereignisse, auch solche, über die man heute noch nicht gern spricht, werden angesprochen, beschrieben und somit als potentielle Ursächlichkeiten für die wahrscheinlichen Motive der grausamen Taten in Betracht gezogen. Ebenso werden die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe der damaligen Zeit feinfühlig mit eingeflochten. Im Schlussteil, wo der bis heute noch recht fragwürdige Tod des Täters geschildert wird, zeigen sich noch einmal deutlich die ganzen Merkwürdigkeiten, die dieser spektakulärste Fall in ganz Deutschland ausgelöst hat. Bis heute gibt es hierzu noch immer Fragen, die nicht mehr beantwortet werden können. Insgesamt ein gelungenes, fantastisches Buch, das zu einem Leseabenteuer herausfordert. - Ganz herzlichen Dank hierfür!

Simone Fey-Hoffmann am  09.08.2016 via Facebook 

 

Das Bartsch Buch ist der Knaller! Ein schwieriges Thema, eine Rückerinnerung in die miefigen Fünfziger/Sechziger Jahre, in denen ich als Kind den diffusen Horror und gleichzeitige Zuschaustellung dieser grausigen Verbrechen irgendwie im Hinterkopf hatte. Mir gefällt auch dieser recht sachliche Schreibstil und der Perspektivenwechsel durch die verschiedenen Personen, denen jeweils das Kapitel gewidmet ist. Ich werde es auf jeden Fall noch einige Male verschenken, allein schon um mich auszutauschen!

Weitere Rezensionen sind auf einschlägigen Foren zu finden. 

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Meine Urgroßmutter war Hebamme, ich bin Künstlerin und Autorin. Das kommt aufs Gleiche raus.

letzte Aktualisierung:

07.02..2019

 

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